Foto: Tagung im Lesesaal der ZBW in Kiel
Foto: Gebäude der ZBW in Kiel

Langzeitarchivierung

Digitale Informationen sind zu einem bedeutenden Bestandteil unseres kulturellen und wissenschaftlichen Erbes geworden: Historische Ereignisse, kulturelle Leistungen und insbesondere wissenschaftliche Erkenntnisse liegen zunehmend ausschließlich in elektronischer Form vor.

Diese Veränderung zieht neben den zahlreichen Vorteilen, speziell in Hinsicht auf die erleichterte Benutzung, auch verschiedene Herausforderungen an Gedächtnisorganisationen nach sich. So führt der rasante technische und technologische Fortschritt zu einer schnellen Alterung von Hard- und Softwareumgebungen, Datenträgern und Dateiformaten. Dies hat eine akute Gefährdung der langfristigen Nutzbarkeit digitaler Objekte zur Folge, also auch von bedeutenden Quellen für Wissenschaft und Forschung.

Digitale Langzeitarchivierung (LZA) zielt auf den Erhalt digitaler Objekte für zukünftige Generationen ab. Dabei kann sie jedoch nur einen Teil einer umfassenden Strategie darstellen, da die LZA in den Kontext der nationalen und internationalen Informations-, Forschungs- und Kulturpolitik eingebettet werden muss.

Archivierende Institutionen der wissenschaftlichen und kulturellen Informationsversorgung erfahren durch die digitale Langzeitarchivierung eine umfassende Erweiterung ihres Aufgabenspektrums: So treten neben bekannte und kontinuierlich durchzuführende Methoden zur Bestandserhaltung nicht-digitaler Medien (z.B. Massenentsäuerung) auch neue, proaktive Maßnahmen zur Erhaltung der Langzeitverfügbarkeit digitaler Informationen.

Als Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) stellen wir uns diesen Herausforderungen im Rahmen eines Pilotprojekts zur digitalen Langzeitarchivierung gemeinsam mit den beiden Goportis-Partnern, der Technischen Informationsbibliothek (TIB) und der Deutsche Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED).

Die drei Zentralen Fachbibliotheken entwickeln in einem 18-monatigen Pilotprojekt Strategien zur Sicherung digitaler Ressourcen und erarbeiten auf Basis eines testweise implementierten Systems zur digitalen Langzeitarchivierung die institutionellen und technischen Anforderungen an solche Systeme.

Konkrete Aufgabenstellungen, die im Rahmen des Pilotprojekts bearbeitet werden, sind:

  • Analyse und Implementierung ausgewählter Workflows für einfache und komplexe digitale Objekte
  • Implementierung und Konfiguration des Testsystems
  • Integration des Testsystems in die bestehenden technischen Systeminfrastrukturen
  • Schnittstellenanpassungen
  • Testen des Systems unter Produktivbedingungen sowie
  • Vorbereitung der Ausschreibung für ein Produktivsystem

Die Projektstruktur ist vom Zusammenwirken von Spezialistinnen und Spezialisten aus den Bereichen IT-Entwicklung, digitale Bibliothek und digitale Langzeitarchivierung geprägt. Ziel ist es größtmögliche Synergien zwischen den jeweiligen Arbeitsbereichen und zwischen den beteiligten Bibliotheken zu erzielen. Wichtig im Zuge der Beschäftigung mit dem Thema Langzeitarchivierung sind für uns Kooperationen mit nationalen und internationalen Netzwerken, die ähnliche Fragestellungen bearbeiten. Wir engagieren uns hier im Verbund mit Goportis im Kompetenznetzwerk nestor sowie in der Open Planets Foundation (OPF) und stehen im Erfahrungsaustausch mit weiteren Partnern wie der Neuseeländischen Nationalbibliothek (NLNZ).

Das Pilotprojekt stellt für uns den Beginn einer kontinuierlichen Beschäftigung mit Lösungen zur der digitalen Langzeitarchivierung dar. Im Anschluss an die derzeitige Projektphase wird dieser Arbeitsbereich nach und nach in den Produktivbetrieb überführt.

 
Foto: ZBW-Gebäude in Hamburg

Kontakt

Sven Vlaeminck
E-Mail
Tel: +49-40-42834-415

Fotos: 1, 2, 4: Sönke Wurr, Münchow-Industrie-Fotos | 3: Lukas Roth